«Die Messe lebt, weil Menschen Menschen treffen wollen»
Messeleiterin Suzanne Galliker über ihren Einstieg bei der Zagg, Erfahrungen mit Ausstellern und warum sie an die Zukunft der Luzerner Fachmesse glaubt.
Suzanne Galliker, alle reden von der Zagg, aber kaum jemand weiss, wofür die vier Buchstaben eigentlich stehen.
Die Abkürzung steht für Zentralschweizer Ausstellung für das Gastgewerbe und die Gemeinschaftsverpflegung. Ich selber nenne sie mittlerweile lieber «Zusammenkunft aktiver Gastgeber».
Die Zagg feiert dieses Jahr ihr 40-Jahr-Jubiläum. Dabei gibt es die Messe eigentlich schon seit 1981. Wie passt das zusammen?
Die erste Zagg fand 1981 in Emmen/LU statt und bot zwölf Firmen eine Plattform für ihre Produkte. Mit der wachsenden Zahl an Ausstellern wurde eine grössere Halle nötig. 1986 zog die Zagg auf die Luzerner Allmend. Deshalb feiern wir 2026 nicht 45 Jahre Zagg, sondern 40 Jahre Zagg in Luzern.
Eine Zagg ohne Suzanne Galliker ist heute kaum mehr vorstellbar. Wie sind Sie eigentlich zur Messe gekommen?
Ich war mit Roland Bösch, einem ehemaligen OK Mitglied, befreundet. Er fragte mich 2003, ob ich das Sekretariat der Messe übernehmen würde. Ich war vom ersten Augenblick an begeistert von der Zagg. Ausserdem konnte ich von zu Hause aus arbeiten. So war ich berufstätig und trotzdem für meine Jungs da.
2004 war Ihre erste Zagg. Wenn Sie heute daran zurückdenken: Was ist Ihnen davon besonders geblieben?
Dass ich jeweils am Abend fix und fertig war (lacht)!
«Ein Produkt kann ich online anschauen. An einer Messe möchte ich den Menschen dahinter kennenlernen.»
Suzanne Galliker
Damals gab es noch Papierkram ohne Ende. Heute läuft vieles digital und zunehmend mit KI. Hat das Ihren Job wirklich einfacher gemacht – oder einfach nur schneller?
Früher war man den Ausstellern näher, vieles wurde am Telefon besprochen und unkompliziert vereinbart. Heute schreibt man für fast alles eine E-Mail. Das finde ich manchmal schade, denn zwischen den Zeilen geht dabei einiges verloren. KI wiederum erleichtert mir heute tatsächlich viele Arbeiten und spart Zeit. Gleichzeitig ist das Verkaufen von Standflächen anspruchsvoller geworden.
2010 wagte die Zagg den Sprung in die Romandie nach Montreux. Es blieb dort bei einem Gastspiel. Warum?
Montreux ist schön, aber kein klassischer Messeort. Die Durchführung war entsprechend schwierig. Mein Fazit lautet: Eine Gastronomiefachmesse in der Romandie müssen Romands machen.
Nach über 20 Jahren Zagg: Gab es einen Moment, bei dem Sie dachten: «Das geht jetzt richtig schief»?
Das war im Sommer 2022, Corona war immer noch allgegenwärtig. Ich schaute auf unsere Planung – und eine halbe Halle war leer. Da fragt man sich schon kurz: Wie soll das gut kommen? Glücklicherweise kam die Anfrage von der Hotel & Gastro formation, ob wir die World Skills durchführen möchten.
Und gibt es einen Moment, bei dem Sie wissen: Genau deshalb mache ich diesen Job?
Wenn es besonders schwierig ist, schliesse ich die Augen und stelle mir vor, wie ich durch die Messehallen gehe und mit «meinen» Ausstellern plaudere. Dann weiss ich wieder, wofür wir das alles machen.
Was macht für Sie einen richtig guten Zagg-Aussteller aus?
Er versteht sich während der Messe als Gastgeber für Menschen, die selber jeden Tag Gastgeber sind.
Und auf welche Art von Aussteller könnten Sie gut verzichten?
Eigentlich möchte ich auf keinen Aussteller verzichten. Aber es gibt schon Firmen, die davon ausgehen, dass der Veranstalter allein dafür verantwortlich ist, ob ihre Messeteilnahme erfolgreich wird.
Heute kann man Produkte online entdecken und sich über Social Media vernetzen. Warum braucht es überhaupt noch eine Zagg?
Weil Menschen andere Menschen treffen wollen.
Zum Schluss der Blick in die Glaskugel: Feiern wir in zehn Jahren immer noch eine Zagg – und wenn ja, wie sieht diese Messe dann aus?
Wir werden auch die 50. Zagg feiern. Je weiter die Digitalisierung voranschreitet, desto grösser wird das Bedürfnis der Menschen nach persönlichem Austausch. Ich glaube allerdings, dass sich die Messe verändern wird. Unternehmen werden gemeinsam auftreten und Themen sowie Lösungen statt nur einzelner Produkte präsentieren.